Was ist Regelenergie?

Eine Einführung in das Thema der Regelenergie

Was ist Regelenergie?

Was ist Regelenergie?

Das Energienetz in Deutschland ist eines der stabilsten weltweit. Die sogenannte Regelenergie ist einer der Gründe dafür. Doch was genau verbirgt sich hinter diesem Begriff, welche Arten von Regelenergie gibt es und welche Möglichkeiten haben wir, das Netz zu stabilisieren? In diesem Artikel gehen wir genauer darauf ein.

Regelenergie bezeichnet die Form von Energie, die ein Netzbetreiber benötigt, um Stromschwankungen innerhalb seines Netzes auszugleichen. Man unterscheidet hier zwischen „positiver und negativer“ Regelenergie - also zwischen Über- und Fehlkapazitäten

Unser Stromnetz muss ausgeglichen sein

Energieerzeugung und -verbrauch müssen sich innerhalb enger Grenzen die Waage halten, da sich diese nur geringfügig im Versorgungssystem, also in unserem Stromnetz, speichern lässt. Regelenergie sorgt – vereinfacht ausgedrückt – für das nötige Gleichgewicht zwischen der aktuell verfügbaren Energiemenge und dem entgegenstehenden Energiebedarf mit dem Ziel, die Stabilität des Stromnetzes zu gewährleisten.

Aus technischer Sicht spricht man in diesem Kontext von einem Leistungsgleichgewicht. Die Netzfrequenz muss um einen sehr engen Bereich um den Sollwert von 50 Hz gehalten werden. Verantwortlich für die Leistungs-Frequenz-Regelung sind die Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz Transmission GmbH, Amprion GmbH, TenneT TSO GmbH sowie die TransnetBW GmbH.

Was bedeutet das in der Praxis?

Wurde mehr Energie produziert und ins Netz eingespeist, als aktuell benötigt, liegt eine Überlastung des Stromnetzes vor. In diesem Falle wird „negative Regelenergie“ benötigt, um das Netz zu stabilisieren. Konkret bedeutet dies: Dem Netz wird Strom entzogen, um das Gleichgewicht zwischen verfügbarer und benötigter Energie wiederherzustellen. Dem gegenüber steht die „positive Regelenergie“, bei der nicht ausreichend Energie bereitsteht, um den akuten Bedarf zu decken. Somit muss zusätzliche Energie erzeugt oder freigegeben werden, um das Netz zu stabilisieren.

Das Energienetz intelligent regeln

Zur Steuerung der Regelenergie werden in der Praxis vorrangig drei Methoden genutzt.

1. Batteriespeicher

Eine naheliegende Lösung zur Netzregulierung ist die Speicherung der Überkapazitäten in entsprechenden Batteriespeichern bzw. die Abgabe von Energie aus Speichern bei Fehlkapazitäten. In den letzten Jahren hat der Bau von großen Batterieparks stark zugenommen. Obwohl Deutschland hier eine Vorreiterrolle einnehmen möchte und im EU-weiten Vergleich den zweiten Platz hinsichtlich des Ausbaus für sich beanspruchen kann, lassen sich auf diesem Wege aktuell lediglich geringe Energiemengen steuern. Insbesondere Großbritannien ist aktuell dabei, diesen Umstand zu ändern und plant flächendeckende Speicher zur Stabilisierung des Energienetzes.

Horizontales Balkendiagramm mit der Überschrift ‚Storage power (GW) by country and status‘. Es zeigt, dass das Vereinigte Königreich mit großem Abstand die höchste Speicherkapazität besitzt, gefolgt von Deutschland, Italien und Spanien. Dahinter liegen Polen, Frankreich, die Schweiz und Österreich mit deutlich geringeren Werten. Die Balken sind in verschiedene Farben segmentiert, die unterschiedliche Projektstatus darstellen, und die X-Achse gibt die Leistung in Gigawatt an.

2. Aktivieren von variablen Verbrauchern

Eine temporäre und gezielt gesteuerte Erhöhung bzw. Verringerung des Verbrauches stellt eine zweite etablierte Lösung zur Netzregulierung dar. Hierzu werden steuerbare Großverbraucher aktiviert oder abgeschaltet. Diese können ihren Energiebedarf kurzfristig und planbar steuern und somit einen wertvollen Beitrag zur Netzstabilisierung leisten. Beispiele dafür sind Wärmepumpen, Ladesäulen sowie Krypto-Miner.

Ladekabel einer Elektro-Ladesäule im Vordergrund eingesteckt, im Hintergrund unscharf eine Person am Smartphone neben einem weißen Elektroauto.

3. Steuerung von Energieerzeugern

Eine intelligente und bedarfsorientierte Steuerung der Energieerzeugungseinheiten ist ein dritter wichtiger Baustein der Regelenergie. Während klassische Atom- und Kohlekraftwerke ihre Energieerzeugung lediglich in eingeschränktem Maße anpassen und nicht unmittelbar heruntergefahren werden können, lassen sich Windkraft- und Solaranlagen sehr flexibel an- und abschalten. Vereinfacht ausgedrückt: Die Energieerzeugung folgt dem aktuellen Bedarf.

Nahaufnahme einer großen Reihe blau glänzender Solarmodule auf einer Freifläche unter blauem Himmel; im Hintergrund steht ein Windrad, das Solar- und Windenergie als kombinierte erneuerbare Stromerzeugung zeigt.

Quellen zur Artikelserie

Insbesondere aus technischer Sicht ist Regelenergie als sehr komplex zu bezeichnen. In unserem Artikel liefern wir einen Überblick über das Thema. Geneigte Leser, die tiefer in die Materie eintauchen wollen, empfehlen wir folgende Quellen aufzusuchen:

Bundesnetzagentur – Beschluss vom 28.10.2025
Bundesnetzagentur – Regelenergie Übersicht
regelleistung.net
regelleistung.net – Präqualifikationsverfahren
Joint Research Centre – Storage Inventory